Geschichte

  • Auszüge aus dem Bericht von Veikko Mynttinen

  • Zur Geschichte der ESG Ilmenau
    Bemerkung: Die Informationen zu den Jahren 1991-1999 sind überwiegend aus einem Bericht des Vertrauensstudenten Axel Rehse aus dem Jahr 1999 entnommen, der sich unten stehend befindet. Er ist aus der Perspektive der damaligen ESG Ilmenau geschrieben.
    An der 1952 gegründeten TU Ilmenau – damals „Technische Hochschule für Elektronik“ – gibt es seit 1953 ESG-Arbeit. Diese wurde über Jahrzehnte von Gemeindepfarrern der evangelischen Kirchengemeinde betreut. Gerade in den Achtziger Jahren war die ESG Ilmenau Treffpunkt für viele Junge Menschen, regelmäßig kamen zu den Abenden etwa sechzig Personen, nicht nur Studenten. 1991 wurde eine eigene Studentenpfarrstelle geschaffen, die jedoch von Beginn an von Besetzungsproblemen begleitet war. Pfarrer Andreas Enkelmann war in die Politik gegangen und einen Nachfolger zu finden war schwierig. Am 1. Februar 1995 nahm Pfarrer Dr. Udo Huß seinen Dienst auf.
    Die ESG befand sich damals im zur evangelischen Kirchengemeinde gehörenden Haus am Homburger Platz 14, in dem auch Räume an Studenten vermietet wurden. Es entwickelte sich außerdem eine enge Zusammenarbeit mit der SMD (Studentenmission Deutschland).
    Aufgrund von Strukturreformen wurde von der Landessynode der ELKTh auf der Herbsttagung 1997 die Studentenpfarrstelle Ilmenau auf 50% gekürzt. Pfarrer Dr. Huß bewarb sich auf ein Gemeindepfarramt (Langewiesen mit 75-prozentigem Dienstanteil) und die Studentenpfarrstelle war wieder vakant. Die ESG Ilmenau versuchte, Einfluss auf Stellenanteil und Verbindung der Stelle mit einer anderen Pfarrstelle zu nehmen. 1998 wurde die Studentenpfarrstelle an das Gemeindepfarramt Ilmenau-Roda/Manebach gebunden. Die ESG wehrte sich dagegen und wollte lieber nur eine 25%-Pfarrstelle, dafür aber weiter Pfr. Dr. Huß als Studentenpfarrer behalten. Der Konflikt mit der Kirchenleitung eskalierte auch aufgrund des Dissenses über die inhaltliche und spirituelle Ausrichtung der ESG-Arbeit. Am 1.7.199 beschlossen 15 Mitglieder der ESG Ilmenau, diese zu verlassen und eine eigene christliche Studentengruppe zu gründen.
    Der inzwischen berufene Studentenpfarrer Stefan Ibrügger stand vor der Aufgabe, die ESG neu aufzubauen. Im Sommersemester 2000 zog die ESG in die zur evangelischen Kirchengemeinde gehörenden Haus LAWI (Langewie-sener Straße 14), das günstig unterhalb des Campus lag und in dem auch Zimmer an Studenten vermietet wurden.
    2003 wechselte Pfr. Ibrügger auf eine andere Pfarrstelle. Von 2004 bis 2011 hatte Past. Astrid Reidemeister die 50%-Studentenpfarrstelle inne, verbunden mit einer 50%-Gemeindepfarrstelle in Ilmenau. In diesem Zeitraum verkaufte die evangelische Kirchengemeinde die LAWI und die ESG Ilmenau hatte seitdem keine eigenen Räume mehr. Nach dem krankheitsbedingten Vorruhestand von Past. Reidemeister-Danz (inzwischen verheiratet) gab es weder eine ESG noch entsprechende Räume für diese Arbeit in Ilmenau.
    Auf diese Situation traf Pfr. Veikko Mynttinen, als ihm 2011 die Vakanzvertretung für die evangelische Studierenden- und Hochschularbeit angetragen wurde.
Raumsituation
Es galt als erstes, geeignete Räume zu finden. Dies erwies sich als schwierig, da seitens der TU Ilmenau nur ein von mehreren Studentenvereinen genutzter Kellerraum angeboten wurde, der so niedrig war, dass man den Kopf neigen musste, wenn man stand. So entschied ich mich, die evangelische Kirchengemeinde zu fragen, ob die ESG Ilmenau die ungenutzten Kellergewölbe im Gemeindehaus nutzen könnte, was auch ermöglicht wurde. Trotz der gemütlichen Atmosphäre zeigte sich bald, dass die beiden Räume ihre Grenzen hatten: Im kleinen Gewölbe war für mehr als 7 Leute zu wenig Platz und das große Gewölbe war zu feucht und kalt, als dass man dort längere Veranstaltungen abhalten konnte. Auf der Suche nach besseren Möglichkeiten bot sich im Kontakt mit der JG Ilmenau an, deren Räume einmal in der Woche mit zu nutzen. Ab Sommersemester 2013 konnte die ESG sich in diesen Räumen wöchentlich donnerstags treffen. Auch hier zeigten sich Schwierigkeiten: da die Räume überwiegend von der JG genutzt wurden, waren es nicht „unsere“ Räume und konnten nicht entsprechend gestaltet werden. Mit dem Auszug einer Familie aus der Dachgeschosswohnung im evangelischen Gemeindehaus konnte die ESG Ilmenau ab 2014 endlich eigene Räume beziehen und wurde in deren Einrichtung und Ausstattung vom Bildungsdezernat maßgeblich unterstützt.
Entwicklung der ESG
Trotz der schwierigen Startbedingungen konnte sie ein Kern einer ESG-Gruppe bilden. Im ESG-Rat waren vier Studierende tätig bzw. sind es heute noch als Vertrauensstudenten. Als teambildendende Maßnahmen fanden vor dem Beginn des jeweiligen Wintersemesters Rüstzeiten statt, in denen das neue jeweilige Semesterprogramm erarbeitet wurde.
Die ESG traf sich regelmäßig donnerstags und z.B. an Wochenenden nach den Gottesdiensten. Neben der „Kerngemeinde“ von 7-8 Leuten, herrschte eine  hohe Fluktuation, bedingt durch Abschluss des Sprachkurses bei ausländischen Studierenden bzw. Bachelor-Abschluss oder Praktikumsphase bei anderen Studierenden. Eine verlässliche größere Gruppe war nicht möglich. Von der religiösen Zusammensetzung waren in der ESG Ilmenau überwiegend Protestanten aus West- und Ostdeutschland und aller Welt zusammen, es kamen aber auch Muslime (v.a. aus Syrien) und ein den 7-Tags-Adventisten zugehöriger Student.
Zusammen mit dem ESG-Rat versuchten wir, eine tragfähige Struktur zu finden. Dies wurde leider nicht geschafft, da z.B. Andachten nur selten von Studierenden selbst gehalten wurden (meist eher von ausländischen Studierenden). Ideen, die Mitverantwortlichkeit zu stärken und andere außerhalb des ESG-Rates zum Mitwirken zu bewegen, waren nicht nachhaltig.
Die Vertrauensstudenten engagierten sich aber, sodass z.B. die website erneuert werden konnte und nun wesentlich ansprechender ist.
Meist gab es für das jeweilige Semester ein Schwerpunktthema, z.B. das Enneagramm – die neun Gesichter der Seele. Hier wurde mir die überkulturelle Basis dieses Konzeptes deutlich, da sich ausländische Studierende mit einzelnen Charakteren des Enneagramms gut identifizieren konnten. Immer wieder trugen Studierende selbst Themen und Vorträge bei, z.B. berichtete eine Studentin aus ihrer Heimat Ostukraine, Fluchtgeschichten verschiedener Generationen wurden vorgestellt. Immer wieder wurden externe Referenten eingeladen, z.B. zur Beschäftigung mit der Geschichte der ESG Ilmenau, als der ehemalige Studentenpfarrer Rainer Bräutigam und zu einem anderen Abend ein Ehepaar, das sich in der ESG Ilmenau kennengelernt hatte, zu Gast waren.
Ein Problem wird nach dem Sommersemester sein, dass ein großer Teil der ESG aufgrund des Studiumsabschluss aus Ilmenau weggehen wird.
EKM- und Bundes-Ebene
Die Arbeit auf EKM- und Bundes-Ebene erwies sich seitens der Ilmenauer ESG-Mitglieder als nicht einfach. Zwar fuhren Martin Lengle, Thaden Cohrs und Julian Mühlenhoff vom ESG-Rat zu Sitzungen des ESG-EKM-Konventes, sahen aber wenig Impulse für die Orts-ESG in Ilmenau, was daran liegen mag, dass kein einziges Mitglied der ESG Ilmenau aus der Region der EKM herstammt.
Eine Idee meinerseits stieß auch auf keine Resonanz: ESG’n in Erfurt, Weimar und Jena zu besuchen. Der Wochenplan der Studierenden war so gefüllt und dazu kamen Freizeit-Termine, dass für viele kaum Spielraum war, sich noch Zeit außer dem Donnerstag Abend zu nehmen.
Zur traditionellen ESG-Brockenwanderung im Juni, zur der Mitglieder von ESG’n aus Ost und West kommen, war ich im Jahr 2015 mit einer Studentin und im Jahr 2016 mit zwei Studierenden.
Auf ESG-Bundesebene konnte ich Martin Lengle und Julian Mühlenhoff 2014 motivieren, mit zur Beschlussversammlung für die neue ESG-Bundesordnung nach Fulda zu fahren. Dort wurde ich für ein Jahr zum Mitglied des Koordinierungsrates der Bundes-ESG gewählt. Hier gehörte die Wahl der ersten  Bundes-Studierenden-Pfarrerin Corinna Hirschberg zu meinem Aufgabenbereich.
Eine wichtige Unterstützung bei meiner Arbeit waren die Konvente und Konferenzen mit KollegInnen.
Auf EKM-Ebene der Studierendenpfarrkonvent, der in den letzten Jahren maßgeblich von der Erarbeitung einer Konzeption für die Hochschul- und Studierendenarbeit der EKM geprägt war.
Die Studierendenpfarrkonferenz Ost, die einmal auch in Ilmenau stattfand.
Und die jährlich im Herbst stattfindende Hauptamtlichen-Konferenz, die sowohl inhaltliche Impulse bot als es auch ermöglichte, in den Austausch mit KollegInnen zu kommen.
Mitte April 2016 konnte in Zusammenarbeit mit der STUBE-Ost (Sabine Ayeni) ein STUBE-Seminar zum Thema „Gesunder Körper – gesunder Geist?“ angeboten werden. Zwei Studierende aus Ilmenau nahmen daran teil (Maxwell Kifack aus Kamerun und Rila Mahenina aus Madagaskar). Arbeit mit ausländischen Studierenden
Arbeit mit ausländischen Studierenden
Die Arbeit mit ausländischen Studierenden mache einen wichtige Teil meiner Tätigkeit aus. Studierende aus China, Syrien, Algerien, Madagaskar, Mexiko, Uruguay und eine größere Gruppe aus Kamerun fanden den Weg in die ESG Ilmenau, bereicherten sie durch Vorträge, durch landestypische Gerichte und durch die normalen Irritationen, die interkulturelle Kommunikation mit sich bringt.
Gerne wurde ich in Anspruch für Förderung seitens des ökumenischen Notfonds genommen, was allerdings bei 2.000 € Notfonds-Etat für die ESG Ilmenau begrenzt möglich war. Ich half ausländischen Studierenden bei Ämtergängen, bei der Suche nach Arbeitsplätzen, beim Transport von größeren Gegenständen, in Form von seelsorglichen Gesprächen und in der Vernetzung mit Menschen aus der Ortskirchengemeinde. So konnten 2014 ausländische Studierende das Weihnachtsoratorium kostenfrei besuchen, in dem sie für den Einlass zuständig waren. Im selben Jahr realisierte ich das Projekt „Ausländische Studierende erleben Weihnachten in deutschen Familien“. Leider haben sich nur drei Familien  – darunter meine eigene – bereit erklärt, einen Studenten / eine Studentin bei sich aufzunehmen.
Ökumenische Zusammenarbeit
Zur katholischen Studentengemeinde (KSG) gab es von Anfang an gute Kontakte, gegenseitige Besuche waren die Regel. Ein Highlight im Jahr war der ökumenische Wandertag am Reformationstag, der auch einmal in Ilmenau stattfand. Im Jahr 2015 in Weimar war die Ilmenauer ESG sogar die größte Gruppe beim ökumenischen Wandertag.
Jedes Semester fand ein ökumenischer Abschlussgottesdienst statt, organisiert von ESG, KSG und SMD, jeweils wechselnd in der katholischen bzw. evangelischen Stadtkirche. Seit 2016 hat die katholische Pfarrgemeinde einen Pastoralreferenten, Stephen Gill, der zu 50 % für Gemeindearbeit und 50 % Hochschul- und Studierendenarbeit zuständig ist. Das Bistum hat großes Interesse, auch personell an den Hochschulen präsent zu sein. Eine Zusammenarbeit z.B. im Rahmen vom studium generale konnte sich noch nicht entwickeln. Herr Gill zeigt aber großes Interesse an einem Zusammenwirken von ESG und KSG.

Aus der Pfarrgeschichte der Evangelischen Studentengemeinde Ilmenau von Axel Rehse

Studentenpfarrer der ESG Ilmenau

1953 Pfr. Plaß
1959?? Pfr. Kalkbrenner
1968 Vakanzverwalter Pfr. Dr. Henschel
1968 Pfr. Siebert
1971 Vakanzverwalter Pfr. Hoffmann
1971 Pfr. Breitkopf
1980 Pfr. Bräutigam
1989 Vakanz
1989 Pfr. Enkelmann
1990 Vakanz
1995 Pfr. Dr. Huß
1999 Pfr. Ibrügger
2003 ab Juli Vakanz
2004 ab März Pfr.in Reidemeister
2012 – 2017 Pfr. Veikko Mynttinen
Die Hochschul- und Studierendenpfarrstelle wird nicht fortgeführt.

Vorwort:

Die folgenden zwei Kapitel wurden von mir, Axel Rehse Vertrauensstudent, im Jahre 2002 hauptsächlich mit Hilfe von Briefen und Akten zusammengestellt. Diese werden in der ESG aufbewahrt und können angeschaut werden. Ich hoffe alles halbwegs exakt und ohne größeren Einfluß meiner eigenen Meinung und Gedanken in lesbarer Art dargestellt zu haben.

Glossar:
LKR: Landeskirchenrat (oberste Kirchenbehörde, Kirchenleitung)
LKA: Landeskirchenamt, u. a. Sitz des Landeskirchenrates.
OKR: Oberkirchenrat/Oberkirchenrätin, Mitglied des LKR
Synode: parlamentarische Gesetzgebungs- u. Kontrollinstanz (Synodalverfassung)
(Kreissynode für Kirchenkreis & Landessynode für Landeskirche [wählt den LKR])
Superintendent: amtlicher Leiter des Kirchenkreises (Superintendentur)
Strukturausschuß: Von der Synode eingesetztes Gremium mit der Aufgabe, die Struktur der Pfarrämter und -stellen den Gegebenheiten und zukünftigen Möglichkeiten (finanziell) anzupassen.

Verzweifelte Suche

Situation: 1990 alles im Umbruch, eine Pfarrstelle für ESG und Heyda, Raum in der Lawi, Vertrauensstudenten: Rudolf Tribiahn, Martin Timm und Christian Winkler.

Pfarrer Andreas Enkelmann wird in den Kreistag Ilmenau gewählt und am 6. Mai 1990 zum ersten Stellvertreter des Landrates delegiert. Somit ist eine weitere Tätigkeit als Pfarrer nicht möglich (zeitlich und amtlich). Er wohnt jedoch weiter in der Dienstwohnung Karl-Marx-Platz 14 (Homburger Platz). Da sich bis Juli 90 offenbar noch nichts tut, wird ein Brief mit Bitte um Neubesetzung an den Landeskirchenrat (LKR) gesendet. Ein weiterer Brief folgt im September auch an die Geschäftsstelle und den Landesbischof, da sich die Situation durch Aufteilung der Studenten auf Ilmenau und Suhl verschärft. Es wird eindringlich um einen hauptamtlichen Pfarrer für die ESG gebeten, aber auch eine Kopplung mit einem neuen Jugendpfarrer für Ilmenau wird in Betracht gezogen. Die Antwort des Bischofs macht keine Hoffnungen. Suhl stellt für ihn ein Problem schon deshalb dar, weil es zur Kirchenprovinz Sachsen gehört, ansonsten soll man sich an die Ilmenauer Kirchgemeinde halten und mit dem LKR in Kontakt bleiben.
Aufgrund einer Annonce in der Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ meldet sich Anfang Oktober 1990 Jörg Coburger ein Pfarrer aus dem Erzgebirge (geb. 1959). Wäre gern Studentenpfarrer, müßte aber wahrscheinlich erst seine erste Amtszeit beenden, was noch bis Feb. 1992 dauern würde. Am Montag den 22. Okt. 90 findet eine persönliche Vorstellung statt. Trotz deren positiven Verlaufs sind die formalen Probleme doch so groß, daß eine Einstellung nicht möglich wird. Probleme: 1. die Stelle sollte so schnell wie möglich und nicht erst 1992 besetzt werden; 2. zwischen den einzelnen Landeskirchen gibt es scheinbar schwer überwindbare Grenzen; 3. Jörg Coburger wurde über den sogenannten zweiten Bildungsweg Pfarrer (Paulinum) und würde dadurch nicht vor 25 Dienstjahren als richtiger Pfarrer anerkannt, hätte nur einen Vikarstatus und müßte neben geringerem Lohn auch ein dreijähriges Abendstudium absolvieren. In einem Brief an den LKR wird Enttäuschung bekundet, besonders weil der Verweis auf die Ortsgemeinde als Wegschieben von Verantwortung verstanden wird.
Am 5. Dezember meldet sich Pfarrer Klaus Ziller (30 Jahre) aus der nähe Magdeburgs (Wahlitz) ebenfalls auf Grund einer Anzeige in der Kirchenzeitung. Am 12. Dezember findet die Vorstellung statt. In den ersten Tagen des neuen Jahres 1991 erreicht die ESG jedoch schon die Absage. Aufgrund nicht vollständig geklärter Anstellungsmodalitäten, offener Wohnungsfrage und besseren beruflichen Perspektiven für seine Frau, entscheidet sich Klaus Ziller für eine andere Stelle in Erfurt. Von der Studentengemeinde Halle werden nun die Adressen von Bewerbern für die dortige Pfarrstelle besorgt, die vor kurzem neu besetzt wurde. Leider bleibt auch das Anschreiben an diese Pfarrer ohne Erfolg. Im März 1991 wird bei der Landessynode eine eigene Hauptamtliche Stelle für das Studentenpfarramt beantragt. Dieser Antrag wird offensichtlich angenommen, trotzdem bleibt die Gemeinde weiter ohne Pfarrer. Ende des Jahres zieht die ESG in neue Räume in die Scheffelstraße 20.

Neue Vertrauensstudenten: 1992 Gunter Seidel, 1993 Christoph Plötner, Matthias Bergner ( R. Tribiahn geht Anfang 1994 nach Berlin).
Erst 1993 wird die Suche nach einem Studentenpfarrer wieder aktiver. 1994 stellt sich Joachim Rosenberg aus Aachen/Jülich bei der ESG vor. Die Hoffnungen ihn im nächsten Jahr als Studentenpfarrer begrüßen zu können, werden durch den LKR schnell beseitigt. Die Landeskirche muß aufgrund der Personalsituation die eigenen Leute unterbringen und kann Bewerber von außen (außerhalb Thüringens) nicht berücksichtigen. Im Januar 1995 entscheidet sich die Studentengemeinde mit 13:2 Stimmen für Pfarrer Udo Huß, nachdem sie ihn durch mehrere Treffen und eine teilweise gemeinsame Silvesterrüstzeit kennengelernt hatten. Somit begann am 1. Februar 1995 nach Anstellung durch den LKR die Amtszeit von Studentenpfarrer Udo Huß.

Strukturreform mit Folgen

Situation: 1997 ESG-Räume Homburger Platz 14 (Fisch), Hauptamtlicher Studentenpfarrer für die ESG Pfr. Huß wohnt in Oehrenstock, Vertrauensstudenten: Tobias Neumann, Holger Reindanz, Andrea & Torsten Büchner( bis1998), Marco Czygan (ab WiSem 98/99)
Es baut sich ein Kontakt zur Studentenmission in Deutschland auf (SMD)

Ende 1997 beschließt die Landessynode einen neuen Stellenplan und teilt ihn dem Studentenpfarramt mit. Darin ist unter anderem vorgesehen, der ESG mit Ablauf des Jahres 1998 eine halbe Stelle zu streichen. Am 11. Mai 1998 schreibt die Gemeinde einen Brief an den Strukturausschuß der Superintendentur, um Möglichkeiten für ein zusätzliches Aufgabengebiet des Studentenpfarrers zu finden. Dadurch soll zumindest eine 0,75 oder wieder eine ganze Anstellung erreicht werden. Als wichtigstes Anliegen wird dabei die Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit mit Pfarrer Dr. Huß genannt. Schon am 14. Mai findet dann eine Besprechung in Roda statt. Die Vorgabe des Ausschusses, die Strukturreform nicht personenbezogen durchzuführen, hält die ESG in ihrem Fall für unmöglich. Die Reform wird nur als Übergangslösung gesehen. Den Vorschlag, die Studentenpfarrstelle mit der bestehenden in Roda und Manebach zu einer ganzen Stelle zusammenzulegen, lehnt die ESG ab. Statt dessen wird vorgeschlagen, das Pfarramt Oehrenstock wieder zu eröffnen und somit eine 0,75 Anstellung zu erreichen. Außerdem sollen dann Roda, Manebach und Langewiesen von einem Pfarrer betreut werden. Im Juni teilt der Vorsitzende der Kreissynode, Pfr. Stefan Ibrügger, nochmals schriftlich mit, daß der Vorschlag der ESG von der Kreissynode abgelehnt und der Vorschlag des Strukturausschusses angenommen wurde.
Einige Monate später beschließt im Herbst 1998 die Landessynode die Zusammenlegung der Pfarrstelle Roda/Manebach mit der Studentenpfarrstelle. Da immer noch kein Einspruch von Seiten der ESG gegenüber der Synode oder dem Landeskirchenrat erhoben wird, bestätigt der LKR den Beschluß. Somit ist dieser schon amtlich, als sich am 6. Januar (Epiphanias) 1999 die ESG an den LKR wendet. Die Gemeinde ist dabei offensichtlich noch nicht über die letzten Beschlüsse informiert, was eigentlich die Aufgabe des Studentenpfarrers gewesen wäre. In ihrem Brief bittet die Gemeinde um eine Weiterführung der Arbeit von Pfr. Dr. Udo Huß als Studentenpfarrer. Dieser hat sich jedoch schon erfolgreich um die 75% Stelle in Langewiesen beworben und tritt bald das Pfarramt in Langewiesen und Oehrenstock an. Aus diesem Grund will die ESG auch eine vorrübergehende Verringerung auf eine 25 % Pfarrstelle in Kauf nehmen und sich den Pfarrer mit den anderen Gemeinden teilen. Der Beschluß der Kreissynode, sich eine Pfarrstelle mit Roda und Manebach zu teilen, wird als nicht rechtens empfunden, da die Studentenpfarrstelle nur vom LKR besetzt werden kann. Außerdem fühlt sich die ESG durch diesen Beschluß als „Auffüllstelle“. Der Pfarrer der Gemeinden Roda und Manebach, Stefan Ibrügger, wird als Studentenpfarrer abgelehnt, da ihm angeblich die spezielle Begabung fehlt.
Am 5. Februar antwortet der LKR (Oberkirchenrätin Dr. Lüdde) und teilt die derzeitige Sachlage mit. Danach hat sich die Gemeinde Langewiesen ausdrücklich gegen eine Kopplung mit der Studentenpfarrstelle ausgesprochen. Dies war Pfr. Dr. Huß bei seiner Bewerbung bekannt. Aufgrund dessen Bitte wird für eine Übergangszeit sein Dienst als Studentenpfarrer mit einer 25 % Stelle fortgeführt. Die Übergangszeit endet mit der Neubesetzung des Studentenpfarramtes. Es wird ein Gespräch mit allen Beteiligten Anfang des nächsten Semesters in Ilmenau angeregt. Die ESG schlägt den 19. April 1999 vor und bittet vor dem Gespräch, um eine Auslegung des dann anstehenden Bibeltextes. Am 7. April bestätigt Oberkirchenrätin Lüdde den Termin und lädt auch alle weiteren Beteiligten ein: Superintendent Hundertmark, Frau OKR Krüger, Pfr. Ibrügger und Pfr. Dr. Huß. Sie regt an, die Bibelauslegung nach dem wichtigen Gespräch zu halten und bittet um Mitteilung des Bibeltextes. Marco Czygan antwortet im Namen der ESG am 13. April per Fax und fordert die Ausladung von Pfarrer Ibrügger und Superintendent Hundertmark. Er schlägt folgenden Ablauf vor: um 19 Uhr gemeinsames Abendbrot, um 20 Uhr Bibeltextauslegung 1. Mose 22, 1-19 „Gott will keine Menschenopfer“ und danach das Gespräch über die Studentenpfarrstelle. Am nächsten Tag folgt die Antwort der OKR Dr. Lüdde. Darin wird großes Erstaunen ausgedrückt, schließlich sollten alle Beteiligten an einen Tisch. Da die Auswärtigen sich schon um 21:30 Uhr auf die teils zweistündige Heimfahrt begeben müssen, soll zuerst mit dem Gespräch begonnen werden. Außerdem sei dies auch auf der Synode mit dem Vertreter der ESG, Holger Reindanz, besprochen worden. Dabei wurde durch ihn um eine Bibelarbeit zum Thema „Zukunft“ gebeten. Einen weiteren Tag später, den 15. April, stellt Marco Czygan im Namen der ESG klar, daß diese nicht zu einem Gespräch bereit ist, wenn Pfr. Ibrügger und Superintendent Hundertmark daran teilhaben. Am 16. April sagt Oberkirchenrätin Dr. Lüdde das Gespräch daraufhin ab und bietet ein Gespräch Ende April / Anfang Mai beim LKA in Eisenach an.
Am 30.April 1999 findet ein Gespräch mit folgenden Beteiligten statt: OKR Dr. Lüdde, OKR Krüger, Superint. Hundertmark, Pfr. Dr. Huß, Pfr. Ibrügger, M. Czygan, T. Neumann, H. Reindanz. Fazit der ca. 100-minütigen Unterredung: Dr. Huß ist ab Sommer definitiv kein Studentenpfarrer mehr und die Kopplung ist nicht mehr rückgängig zu machen. Die Studentenpfarrstelle wäre sonst in Gefahr vakant zu bleiben und später gestrichen zu werden. Bei einer freien Ausschreibung der Stelle wäre es enorm schwer einen gleichwertigen Pfarrer für beide Stellen zu finden. Die ESG soll deshalb Pfr. Ibrügger erst mal kennenlernen, um sich dann entweder für ihn zu entscheiden oder sich zumindest solange mit ihm zu arrangieren bis eine Neubesetzung stattfindet. Dann hätten beide Gemeinden, sowohl Roda/Manebach als auch die ESG, Mitspracherecht und nur bei gemeinsamer Zustimmung würde die Stelle mit dem entsprechenden Kandidaten besetzt. Nach einem Gespräch innerhalb der Studentengemeinde bringt diese in einem Brief am 6. Mai ihre Enttäuschung über das Vorgehen zum Ausdruck. Sie kündigen ein Auswahlgespräch mit Pfr. Ibrügger in Form zweier thematisch gestalteter Abende an und gehen davon aus, daß dem anschließenden Votum der ESG bei der Stellenbesetzung gefolgt wird. Dieses wird am 2. Juni 1999 dem LKR mitgeteilt. Eine Zusammenarbeit halten sie für ausgeschlossen, da folgende Kernpunkte für sie in unannehmbarer Weise verschoben würden: Zurüstung im Glauben durch Beschäftigung mit dem Wort Gottes; Einladung zur bewußten und persönlichen Entscheidung für den Retter Jesus Christus; Heimat für christliche Studenten. Die einzigen positiven Fähigkeiten, die Pfr. Ibrügger zugetraut werden, sind organisatorische. Diese brauche die ESG jedoch nicht. Es wird gedroht, die lebendige ESG-Arbeit würde nicht weitergehen, sollte dieses Votum übergangen werden. In der Antwort von OKR DR. Lüdde kommt Enttäuschung über die Beurteilung zum Ausdruck, die einer Verurteilung gleichkommt. Die Oberkirchenrätin macht deutlich, daß in dieser Kirche mehrere Frömmigkeits- und Glaubensstile gut sind und nicht nur eine fundamentalistische Auslegung der Bibel gültig ist. Außerdem wird angeführt, daß sich die TU über die Abgeschlossenheit und den exklusiven Charakter der ESG enttäuscht zeigt und auch die Ilmenauer Kirchgemeinde eine Öffnung der ESG für alle christlichen und interessierten Studenten wünscht, egal welchen Glaubensstil sie haben. Es wird gehofft, daß sich die bestehende Gruppe in den Prozeß eines Neuanfangs mit einbringt, da auch ihre geistliche Prägung im breiten Spektrum der kirchlichen Studentenarbeit gebraucht wird.
In der Antwort der ESG Ende Juni 1999 wird ein Neuansatz für absolut nicht notwendig gehalten. Der Vorwurf der Exklusivität kann von der Gemeinde nicht nachvollzogen werden, da unter anderem mehrere offene Vorträge auch in Räumen der Universität als Schnittstelle zu Studenten und Universität angesehen werden. Ein Verbleiben innerhalb der ESG wird als nicht möglich gesehen, da sich die unterschiedlichen Vorstellungen christlicher Studentenarbeit nach außen nicht repräsentieren ließen, gemeinsame Ziele nicht erreicht werden könnten und die Gruppe nicht bereit ist, Auffassungen anderer mitzuvertreten. Somit beschließt die Gruppe, ab 1.7.1999 die Arbeit außerhalb der ESG fortzusetzen. Der Brief trägt 15 Unterschriften. Aus dieser Gruppe entsteht zunächst der Freundeskreis der Studentenmission in Deutschland und später die SMD-Gruppe Ilmenau.
Pfarrer Stefan Ibrügger, der von den bisherigen Gemeindemitgliedern schon abgelehnt wurde, bevor sie ihn richtig kannten, steht zu Beginn seiner Arbeit ohne Gemeinde da. Er muß die ESG völlig neu aufbauen. Um eine Chance zu haben mit Studenten in Kontakt zu kommen, läßt er sich zum Wintersemester 1999 als Student für Maschinenbau einschreiben. Schon bald findet sich das erste neue Gemeindemitglied: Gregor aus dem Erzgebirge. Obwohl die Immatrikulationszahlen steigen, ist der Gemeindeaufbau schwierig. Im Sommersemester 2000 zieht die Gemeinde um in die LAWI (Langewiesenerstr. 14), zuerst ins Erdgeschoß und ein dreiviertel Jahr später in den ersten Stock. Zu diesem Zeitpunkt (2001) hat die ESG vier Gemeindemitglieder, aus denen als Vertrauensstudent Axel Rehse gewählt wird. Der Vertrauensstudent teilt wenig später dem LKR das eindeutige Votum der Studentengemeinde für Stefan Ibrügger mit.
Dieser Vertrauensstudent bin ich, der Schreiber dieses kleinen Berichtes. Gemeindemitglied seit November 1999

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